Der Architekt Herbert Richter(-Luckian) wird 1901 in Halle an der Saale in einer Künstlerfamilie geboren. 1923 kommt er durch den Maler Heinrich Vogeler in Kontakt zur KPD. Obwohl bei einer Haussuchung im März 1933 kommunistische Bücher gefunden werden und ihn die Gestapo im Oktober 1934 für kurze Zeit festnimmt, gelingt es ihm als freiberuflicher Architekt, Aufträge von mehreren nationalsozialistischen Dienststellen zu erhalten. Durch seine weit in die Führungskreise der NSDAP reichenden Beziehungen erhält er viele wichtige Informationen.
Aus ihrer gesellschaftlichen Position ergeben sich für Georg Groscurth, Robert Havemann, Paul Rentsch und Herbert Richter besondere Handlungsspielräume, gegen das NS-Regime zu arbeiten. Sie können Verfolgten nicht nur helfen, in der Illegalität zu überleben, sondern sie sind in der Lage, die ihnen zugänglichen Informationen und Verbindungen zu nutzen, um die Widerstandstätigkeit anderer zu unterstützen, zu koordinieren und zu vernetzen. So werden sie zum Zentrum verschiedener, unabhängig voneinander entstandener Gruppierungen. Der Versuch, auch Kontakte zu den Alliierten herzustellen, scheitert. Im Sommer 1943 verfassen Havemann, Groscurth, Richter und Rentsch mehrere programmatische Texte. Sie geben ihrer Gruppe den Namen „Europäische Union“. Herbert Richter wird am 5. September 1943 von der Gestapo festgenommen, am 16. Dezember 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 8. Mai 1944 in Brandenburg-Görden ermordet.