Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Thema - Die Rote Kapelle
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Netzwerke des Widerstands

Der 1916 in Berlin geborene Hans Coppi wächst in einer Arbeiterfamilie auf. Er besucht die Schulfarm Scharfenberg, muss diese aber 1932 nach der Gründung einer kommunistischen Jugendgruppe verlassen und wechselt an das Lessing-Gymnasium. 1934 wird Coppi zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er kommunistische Flugblätter verteilt hat. Seit 1939 besucht Coppi abends eine Technikerschule und erhält hier Kontakte zu Karl Böhme, der ihn in den oppositionellen Kreis um Wilhelm Schürmann-Horster einführt.
Hans und Hilde Coppi beim Zelten
Seit Mai 1940 kennt er Harro Schulze-Boysen und erklärt sich auf dessen Vorschlag im Juni 1941 bereit, eine Funkverbindung nach Moskau aufzubauen. Die Funkversuche scheitern jedoch an technischen Problemen. Hans Coppi und seine Frau, die Mitarbeiterin der Reichsversicherungsanstalt Hilde Rake, die er 1941 heiratet, sind an vielen Widerstandsaktionen beteiligt. Sie werden am 12. September 1942 festgenommen. Am 27. November 1942 kommt im Gefängnis ihr Sohn zur Welt. Hans Coppi wird am 19. Dezember 1942 zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet; Hilde Coppi wird am 20. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Drei Tage zuvor hat sie ihren Sohn Hans im Frauengefängnis Barnimstraße ihrer Mutter Hedwig Raasch anvertraut.
Karl Behrens, 1909 in Berlin geboren, wächst in einer Arbeiterfamilie auf und arbeitet als Schlosser. Nach dem Abitur am Berliner Abendgymnasium studiert er Maschinenbau. 1929 schließt er sich den Nationalsozialisten an, wird aber im Mai 1931 wegen seiner Kritik an Hitler aus der NSDAP ausgeschlossen und tritt ein Jahr später der KPD bei. 1932 lernt er als junger Abendgymnasiast Mildred Harnack als Englischlehrerin kennen und bleibt auch nach 1933 mit ihr und ihrem Mann Arvid Harnack in enger Verbindung.
Karl Behrens
Seit 1938 arbeitet Behrens in der Berliner AEG-Turbinenfabrik und sammelt eine Gruppe oppositioneller Kollegen um sich. Er berichtet Harnack über Neuentwicklungen in seinem Betrieb. Im Mai 1942 wird Behrens zur Artillerie eingezogen, Mitte September 1942 verhaftet, am 19. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Adam Kuckhoff, 1887 in Aachen geboren, wächst im Rheinland in einer Fabrikantenfamilie auf. Nach der Promotion gründet er das Frankfurter Künstlertheater, gibt die Schriften von Georg Büchner heraus und übernimmt 1928 die Redaktion der Kulturzeitschrift "Die Tat" . 1930 wird Adam Kuckhoff Dramaturg des Berliner Staatlichen Schauspielhauses und 1932 Lektor des Deutschen Verlags Berlin.
Greta und Adam Kuckhoff
Seit 1935 lebt er mit der Volkswirtin Greta Lorke zusammen, die Harnack aus den Vereinigten Staaten kennt. Sie gehören zum Gesprächs- und Freundeskreis um Arvid und Mildred Harnack. Kuckhoff, seit 1937 mit Greta Lorke verheiratet, hat Kontakte zum sozialdemokratischen Widerstand und arbeitet 1941/42 an mehreren Flugschriften mit. Er wird am 12. September in Prag festgenommen, am 3. Februar 1943 zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Greta Kuckhoff wird zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe verurteilt und im Mai 1945 von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Waldheim befreit.
Die 1920 in Bremen geborene Cato Bontjes van Beek ist die Tochter eines Bildhauers und Keramikfabrikanten. Nach der Scheidung ihrer Eltern geht sie im Alter von 17 Jahren nach England, um die englische Sprache zu erlernen. Sie hat starke religiöse Bindungen. Nach ihrer Rückkehr aus England absolviert sie eine bürotechnische Ausbildung und arbeitet in Bremen als Büroangestellte. Im Herbst 1939 zieht sie nach Berlin und macht eine Ausbildung als Keramikerin in der Werkstatt ihres Vaters. Vergrösserung
Cato Bontjes van Beek und Heinz Strelow
Ab Herbst 1940 organisiert sie mit ihrer Schwester Mietje Hilfen für französische Kriegsgefangene und für verfolgte Juden. Seit 1941 ist sie mit Heinz Strelow befreundet und lernt im November 1941 bei ihrem Vater Libertas Schulze-Boysen kennen. Gemeinsam mit Strelow ist sie an der Verbreitung der "AGIS" -Flugschrift im Februar 1942 beteiligt. Am 20. September 1942 wird Cato Bontjes van Beek, am 1. Oktober 1942 auch Heinz Strelow festgenommen. Gemeinsam werden sie am 26. Januar 1943 zum Tode verurteilt. Heinz Strelow wird am 13. Mai 1943, Cato Bontjes van Beek am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Der 1898 geborene John Rittmeister wächst in einer Hamburger Kaufmannsfamilie auf. Er studiert Medizin und wird Nervenarzt. Anfang der dreißiger Jahre neigt er einem freiheitlichen Sozialismus zu. Bis 1937 arbeitet er in der Schweiz, im Anschluss daran als Oberarzt in der Berliner Nervenklinik Waldhaus und leitet seit Herbst 1939 eine Poliklinik für Psychotherapie in Berlin-Nikolassee. Vergrösserung
John und Eva Rittmeister
Im selben Jahr heiratet er die 1913 in Zeitz geborene Eva Knieper, die sich an der Heilschen Abendschule auf ihr Abitur vorbereitet. Schulfreunde seiner Frau, etwa Fritz Thiel, Ursula Goetze und Friedrich Rehmer, treffen sich oft beim Ehepaar Rittmeister zu Diskussionsabenden. Daran nimmt auch Rittmeisters Freund, der Romanist Werner Krauss, teil. Der Kreis orientiert sich an humanistischen Maßstäben. Weihnachten 1941 lernen sich die Ehepaare Rittmeister und Schulze-Boysen kennen. In Gesprächen mit Rittmeister entwickelt Schulze-Boysen die Überlegung, sich mit der "AGIS" -Flugschrift an die Öffentlichkeit zu wenden. John Rittmeister wird am 26. September 1942 gemeinsam mit seiner Frau Eva festgenommen, am 12. Februar 1943 zum Tode verurteilt und am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Eva Rittmeister wird zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und im April 1945 aus der Haft entlassen.
Die 1916 in Berlin geborene Ursula Goetze tritt als Gymnasiastin dem kommunistischen Jugendverband bei und ist deswegen 1933 für kurze Zeit inhaftiert. Nach dem Besuch der Handelsschule ist sie seit 1935 als Stenotypistin tätig, hält enge Verbindungen zu einem Kreis Neuköllner Kommunisten und beteiligt sich hier an Hilfsaktionen für rassisch und politisch Verfolgte. Entscheidend wird die Begegnung mit der Schauspielerin Eva Knieper, mit der sie das Abendgymnasium besucht und die 1939 den Nervenarzt John Rittmeister heiratet. Vergrösserung
Ursula Goetze
In Goetzes Wohnung finden Treffen, auch mit französischen Zwangsarbeitern, statt. In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1942 kleben sie und ihr Freund, der Romanist Werner Krauss, etwa 50 Zettel gegen die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" und werden dabei von Friedrich Rehmer begleitet. Ursula Goetze wird am 15. Oktober 1942 festgenommen, am 18. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Die im August 1923 in Berlin geborene Liane Berkowitz besucht ab 1941 die Heilsche Abendschule und kommt durch Ursula Goetze in den Kreis um John Rittmeister, dessen Frau Eva ebenfalls diese Schule besucht hat. Regelmäßig nimmt Liane Berkowitz mit ihrem Verlobten Friedrich Rehmer, mit Fritz und Hannelore Thiel und anderen an den Diskussionen über Grundfragen des politischen Lebens teil. Am Abend des 17. Mai 1942 beteiligt sie sich an der Aktion gegen die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" . Sie trifft sich mit Harro Schulze-Boysen, John Graudenz und Maria Terwiel in der Wohnung Thiels. Vergrösserung
Liane Berkowitz
Otto Gollnow und Liane Berkowitz erhalten etwa 100 Zettel, von denen sie die Hälfte in der Gegend zwischen Kurfürstendamm und Uhlandstraße ankleben. Zur Tarnung der Aktion benehmen sie sich wie ein Liebespaar, während ihnen Harro Schulze-Boysen folgt und sie mit der Waffe schützt. Liane Berkowitz wird Ende September 1942 festgenommen und am 18. Januar 1943 gemeinsam mit Friedrich Rehmer zum Tode verurteilt. Im Frauengefängnis Barnimstraße bringt sie am 12. April 1943 ihre Tochter Irena zur Welt. Sie wird ab Juli 1943 von der Großmutter betreut und fällt im Oktober 1943 vermutlich einer NS-Krankenmordaktion im Krankenhaus Eberswalde zum Opfer. Friedrich Rehmer wird am 13. Mai 1943, Liane Berkowitz am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Adolf Hitler hat am 21. Juli 1943 persönlich die Gnadengesuche von 17 Mitgliedern der Berliner Roten Kapelle abgelehnt. Selbst das Reichskriegsgericht hat ihm empfohlen, die 22-jährige Keramikerin Cato Bontjes van Beek und die 19-jährige Schülerin Liane Berkowitz zu begnadigen. Hitler lehnt auch dies ausdrücklich ab und lässt seine Entscheidung vom Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, gegenzeichnen.
Der 1910 geborene Albert Hößler wird im März 1933 festgenommen, kommt aber wenig später frei und flieht in die Tschechoslowakei. Zwischen 1935 und 1937 studiert Albert Hößler an der Internationalen Lenin-Schule in Moskau und nimmt 1937 am Spanischen Bürgerkrieg teil. Er kehrt in die UdSSR zurück, heiratet 1941 die Ärztin Klawdia Rubzowa und meldet sich im selben Jahr als Freiwilliger zum Fronteinsatz. Am 5. August 1942 springt er mit Robert Barth bei Gomel aus einem sowjetischen Langstreckenbomber ab und nimmt in Berlin über Elisabeth Schumacher Kontakt mit Harro Schulze-Boysen und Hans Coppi auf. Vergrösserung
Albert Hößler
Aus der Wohnung von Erika von Brockdorff unternimmt er vergeblich Funkversuche in die UdSSR. Hößler wird im September 1942 festgenommen und bald darauf ohne Gerichtsverfahren ermordet.
Die 1908 in Kolberg geborene Erika Schönfeldt ist seit 1929 als Hausangestellte, später als Stenotypistin in Berlin tätig. Seit Frühjahr 1941 arbeitet sie wie Elisabeth Schumacher in der Reichsstelle für Arbeitsschutz. Durch die Heirat mit dem bildenden Künstler Cay von Brockdorff 1937 kommt sie in den Kreis von Gegnern des NS-Regimes, der sich um den Schauspieler Wilhelm Schürmann-Horster gebildet hat. Seit 1939 nehmen auch Hans Coppi, Karl Böhme und Wolfgang Thiess regelmäßig an diesen Gesprächen teil. Vergrösserung
Erika von Brockdorff
1941 entsteht eine engere Verbindung zum Freundeskreis um Hans Coppi, der im selben Jahr ein Funkgerät bei ihr unterstellt und dieses dort mit Karl Böhme und Kurt Schulze reparieren will. Im Sommer 1942 bietet Erika von Brockdorff dem Fallschirmspringer Albert Hößler Quartier und Unterstützung bei seinen vergeblichen Funkversuchen. Am 16. September 1942 wird sie verhaftet und am 19. Dezember 1942 zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die wenig später auf Befehl Hitlers in einer neuen Verhandlung zur Todesstrafe umgewandelt wird. Erika von Brockdorff wird am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Die 1913 in Berlin geborene Laienschauspielerin Marta Husemann ist gemeinsam mit ihrem Mann Walter Husemann im Kreis um Schulze-Boysen aktiv. Sie wird am 19. September 1942 festgenommen, zu vier Jahren Haft verurteilt und 1945 aus dem Frauenstrafgefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf befreit.
Der 1897 in Waldheim geborene Walter Küchenmeister wächst in einer Schuhmacherfamilie auf und erlernt den Beruf des Drehers. Früh schließt er sich der Gewerkschaft und der SPD an. Im Krieg meldet er sich als Kriegsfreiwilliger zur Marine.
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Marta Husemann, Günther Weisenborn, Walter Küchenmeister und Kurt Schumacher
Nach 1918 stößt er zur Kommunistischen Partei Deutschlands, ist bis 1926 Redakteur der kommunistischen Tageszeitung "Ruhr-Echo" in Essen, wird später aber aus der KPD ausgestoßen. Er macht sich einen Namen als Biograph von Thomas Müntzer und Tilman Riemenschneider. 1933/34 ist Walter Küchenmeister im KZ Sonnenburg inhaftiert, aus dem er erst im Herbst 1934 schwerkrank entlassen wird. Wenig später findet er zum Kreis um das Ehepaar Schumacher, nimmt häufig an deren Zusammenkünften teil, schreibt Flugblätter, nutzt Auslandskontakte und verteilt Flugschriften. Am 16. September 1942 wird er ebenso wie seine Lebensgefährtin, die Ärztin Elfriede Paul, festgenommen, im Februar 1943 zum Tode verurteilt und am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Der 1902 geborene Schriftsteller Günther Weisenborn, ein enger Freund von Harro Schulze-Boysen, wird am 26. September 1942 festgenommen und zu drei Jahren Haft verurteilt, aus der er am 28. April 1945 befreit wird.

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