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Werner Scharff

16. August 1912 - 16. März 1945
Werner Scharff Werner Scharff 

Der Berliner Elektromechaniker Werner Scharff stammt aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Posen. Mit Beginn der Deportation der Berliner Juden im Herbst 1941 gehört er als Angestellter der Jüdischen Gemeinde zu den wenigen Handwerkern, die Zugang zu den Sammellagern für Juden haben. Dies nutzt er, um heimlich Briefe und Päckchen von Inhaftierten und Angehörigen zu überbringen. Er nennt befreundeten Insassen das Datum ihrer Deportation, damit sie rechtzeitig fliehen können. Zwei Jahre später bereitet er mit seiner Frau Gertrud Scharff das eigene Untertauchen vor. Während seine Frau falsche Werksausweise druckt, richtet sich Werner Scharff Anfang 1943 mit zwei Mitstreitern ein geheimes Quartier in der Waldstraße 54 in Berlin-Moabit ein. Am 10. Juni 1943 taucht er mit seiner Frau und seiner Freundin Fancia Grün unter. Sie nächtigen bei verschiedenen Bekannten und in der Waldstraße. Nach vier Wochen erkennen ihn Gestapo-Beamte am Hackeschen Markt und nehmen ihn fest. Am 4. August 1943 wird Scharff zusammen mit Fancia Grün in das Ghetto Theresienstadt deportiert, von wo sie einen Monat später fliehen können. Ende September 1943 lernt er Hans Winkler in Luckenwalde kennen. Die beiden Männer beschließen, Juden zu verstecken und mit Flugblättern gegen den Krieg aufzurufen. Werner Scharff bindet Freunde und Bekannte aus Berlin ein. So entsteht die Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau”, der etwa 20 Personen angehören. Die Gestapo kommt der Gruppe auf die Spur und verhaftet Werner Scharff am 14. Oktober 1944. Nach einigen Monat Haft im Polizeigefängnis am Alexanderplatz kommt er in das KZ Sachsenhausen, wo er am 16. März 1945 erschossen wird.

Literatur

  • Eugen Herman-Friede: Für Freudensprünge keine Zeit: Erinnerungen an Illegalität und Aufbegehren 1942 – 1948. Berlin 1991
  • Barbara Schieb-Samizadeh: Die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau. In: Wilfried Löhken/Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion. Berlin 1993, S. 37ff.
  • Barbara Schieb-Samizadeh: Die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau. Eine wenig bekannte Widerstandsgruppe. In: Dachauer Hefte 7 (1991), S. 174 ff.