Skip to content

Otto Weidt

02. Mai 1883 - 22. Dezember 1947
Otto Weidt Otto Weidt 

Otto Weidt wächst in Rostock auf und erlernt wie sein Vater den Beruf des Tapezierers. In seiner Freizeit schreibt er Gedichte. Während des Ersten Weltkriegs gelingt es dem Pazifisten, sich aufgrund eines Ohrenleidens dem Dienst an der Waffe zu entziehen. In Berlin lernt Otto Weidt, der aus erster Ehe zwei Söhne hat, Else Nast kennen. 1936 heiratet das Paar. Seine Pläne, sich mit einer Polstermöbelfabrik in Berlin zu etablieren, scheitern. Nach seiner fast vollständigen Erblindung wird er Bürstenmacher und eröffnet 1936 in Berlin-Kreuzberg eine Bürstenwerkstatt. Otto Weidt ist entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Ab 1939 beschäftigt er hauptsächlich Juden. Er tut alles, um sie vor den judenfeindlichen Maßnahmen des Staates zu schützen. 1940 zieht er mit seinem Betrieb nach Berlin-Mitte in die Rosenthaler Straße 39. Dort arbeiten mehr als dreißig blinde und taubstumme Juden für ihn. Mit den in der Werkstatt produzierten Besen und Bürsten beliefert er auch die Wehrmacht. Deshalb gilt die Blindenwerkstatt als „wehrwichtig”. Durch diesen Status und indem Otto Weidt regelmäßig Gestapo-Beamte besticht, bleiben seine Arbeiter eine Zeit lang von der Deportation verschont. Gemeinsam mit weiteren Helfern besorgt er ihnen Lebensmittel, gefälschte Papiere und Verstecke. Als Ende 1943 seine Sekretärin Alice Licht deportiert wird, reist er ihr nach, um sie aus dem Konzentrationslager Auschwitz zurückzuholen. Er kann ihr bei der Flucht helfen. Nach dem Krieg engagiert sich Otto Weidt für den Aufbau eines jüdischen Kinder- und Altersheimes in Berlin-Niederschönhausen.

Literatur

  • Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt. Eine Dokumentation der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Katalog zur Ausstellung. 2., verbesserte Auflage, Berlin 2008
  • Robert Kain: Otto Weidt: Vom Anarchisten zum „Gerechten unter den Völkern“. In: Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter – Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter. Berlin 2012