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Kurt Gerstein

11. August 1905 - 25. Juli 1945
Kurt Gerstein Kurt Gerstein 

In Münster geboren, wächst Kurt Gerstein in der Familie eines Richters auf. Nach dem Abitur wird er in der christlichen Jugendarbeit tätig und gewinnt dort schnell an Ansehen und Einfluss. Er studiert Bergbau und legt 1931 die Prüfung zum Diplom-Ingenieur ab. Im Mai 1933 tritt Gerstein in die NSDAP ein. Im selben Jahr protestiert er offen gegen die Auflösung der evangelischen Jugendverbände und engagiert sich bald darauf in der Bekennenden Kirche. 1936 wird er aus der NSDAP ausgeschlossen und zweimal inhaftiert. Nachdem Kurt Gerstein über die Mordaktion an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten erfährt, entschließt er sich, in die Waffen-SS einzutreten, um auf diesem Weg nähere Informationen zu erhalten. Er wird dem Sanitätswesen der Waffen-SS zugeteilt und übernimmt die Leitung des technischen Desinfektionsdienstes. Im Juni 1942 bekommt Gerstein erstmals den Auftrag, Blausäure (Zyklon B) zur Ermordung von Menschen zu beschaffen. Im August 1942 wird er zudem Zeuge des Massenmordes in den Vernichtungslagern Belzec und Treblinka. Gerstein informiert mehrfach ausländische Diplomaten und Geistliche über die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und versucht, Lieferungen des Zyklon-B-Gases zu sabotieren. Am 22. April 1945 stellt er sich den französischen Behörden. Im Juli 1945 wird gegen ihn ein Verfahren wegen Mordes und Beihilfe zum Mord eingeleitet. Kurt Gerstein kommt am 25. Juli 1945 in einem Pariser Gefängnis unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben. Der von ihm noch in der Haft verfasste "Gerstein-Bericht" ist eine der wichtigsten Augenzeugenquellen über die Durchführung des Völkermordes an den Juden Europas.

Literatur

  • Bernd Hey/Matthias Rickling/Kerstin Stockhecke: Widerstand in SS-Uniform. Bielefeld 2000
  • Jürgen Schäfer: Kurt Gerstein - Zeuge des Holocaust. Ein Leben zwischen Bibelkreisen und SS. Bielefeld 1999
  • Pierre Joffroy: Der Spion Gottes. Kurt Gerstein – ein SS-Offizier im Widerstand? Berlin 1995