Skip to content

Hans von Dohnanyi

01. Januar 1902 - 09. April 1945
Hans von Dohnanyi Hans von Dohnanyi 

Hans von Dohnanyi studiert in Berlin Jura, promoviert 1926 in Hamburg und legt 1928 die Assessorprüfung ab. Von 1929 bis Frühjahr 1932, dann wieder ab Juni 1933 arbeitet er im Reichsjustizministerium. Zuerst als persönlicher Referent und später als Leiter des Ministerbüros von Franz Gürtner sammelt Hans von Dohnanyi dort systematisch Informationen über nationalsozialistische Rechtsbrüche und Verbrechen in den Konzentrationslagern. Seit Anfang 1938 hat er Kontakt zu oppositionellen Militärs und ist zusammen mit Ludwig Beck, Hans Oster und Erwin von Witzleben führend an der Vorbereitung eines Staatsstreichversuches im September 1938 beteiligt. Auf Druck der NSDAP-Parteikanzlei muss Hans von Dohnanyi 1938 aus dem Ministerium ausscheiden und wird an das Reichsgericht in Leipzig versetzt. Im Herbst 1939 fordert ihn Oster für das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht an. Hans von Dohnanyi soll hier weiter an der Vorbereitung eines Staatsstreiches gegen Hitler arbeiten. Er ist durch seine Tätigkeit frühzeitig über die Massenvernichtung der europäischen Juden informiert und leitet Berichte seines Schwagers Dietrich Bonhoeffer über die Judendeportationen an hohe Militärs weiter, um diese zum Einschreiten zu bewegen. Im Frühjahr 1942 beschließt er, wenigstens einige von der Deportation bedrohte Familien in Sicherheit zu bringen. Den Gefährdeten soll als angebliche Agenten der Abwehr die Ausreise in das neutrale Ausland ermöglicht werden. Da zunächst nur sieben Personen ins Ausland in Sicherheit gebracht werden sollen, erhält die Aktion die Bezeichnung „Unternehmen Sieben“. Am 5. April 1943 wird Hans von Dohnanyi in seinem Dienstzimmer wegen angeblicher Devisenvergehen verhaftet. Oster, der ihn zu decken versucht, wird seines Postens enthoben. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird ein Teil der von Hans von Dohnanyi vor 1938 gesammelten Dokumente über NS-Verbrechen von der Gestapo entdeckt. Dohnanyi, nach langer Haft in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße schwer krank, wird wegen seiner Beteiligung an den Umsturzvorbereitungen nach einem SS-Standgerichtsverfahren im KZ Sachsenhausen wahrscheinlich am 9. April 1945 ermordet.

Literatur

  • Winfried Meyer: Unternehmen Sieben. Eine Rettungsaktion für vom Holocaust Bedrohte aus dem Amt Ausland/ Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht. Frankfurt am Main 1993