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Günter Discher

20. März 1925 - 09. September 2012
Günter Discher Günter Discher 

Günter Discher, geboren in Hamburg-Eimsbüttel, begeistert sich früh für Schallplatten und bekommt mit zehn Jahren ein Tischgrammophon geschenkt. Ab 1937 beginnt er eine eigene Schallplattensammlung anzulegen, die zunehmend aus Swing- und Jazz-Platten besteht. Seine Vorliebe für den Swing bringt ihn in Kontakt mit anderen Swing-Jugendlichen. Nach dem Schulabschluss macht Günter Discher eine kaufmännische Ausbildung. Da Swing von den Nationalsozialisten als unerwünschte Musik gekennzeichnet ist, wird es immer schwieriger, Schallplatten zu bekommen. Günter Discher kennt jedoch Wege, an Platten zu kommen, und beliefert damit Kneipen in Hamburg-St. Pauli: Ein befreundeter, in Dänemark stationierter Soldat schickt die Schallplatten zu Günter Discher nach Deutschland. Die Pakete werden mit „Heerespost” beschriftet und können so, ohne dass der Zoll sie öffnet, über die Grenze gelangen. Als es im Jahr 1941 zur Auflage wird, beim Kauf einer neuen Schallplatte zwei alte abzugeben, gelingt es Günter Discher, durch Verhandlungen mit den Händlern an alte Swingplatten zu kommen. 1942 verfügt Günter Discher über eine Sammlung von zirka 400 Schallplatten. Er gerät zunehmend ins Visier der Gestapo und wird am 1. November 1942 festgenommen. Bei der Hausdurchsuchung findet die Gestapo jedoch keine Platten, denn die hat der damals 17-Jährige drei Tage zuvor versteckt. Nach einer Denunziation – Nachbarn haben bei ihm Swing-Musik gehört – wird er im Januar 1943 erneut festgenommen und ins Jugend-Konzentrationslager Moringen überstellt. Im Mai 1945 wird er durch alliierte Truppen befreit und kehrt nach Hamburg zurück. Als Folge der Gefangenschaft trägt er chronische Gesundheitsschäden davon und muss sich mehreren Operationen unterziehen.

Literatur

  • Michael Kater: Gewagtes Spiel. Jazz im Nationalsozialismus. München 1998
  • Sascha Lange: Meuten, Swings und Edelweißpiraten. Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus. Mainz 2015
  • Franz Ritter (Hrsg.): Heinrich Himmler und die Liebe zum Swing. Erinnerungen und Dokumente. Leipzig 1994