Walther von Seydlitz-Kurzbach

22. August 1888 - 28. April 1976
Walther von Seydlitz-Kurzbach Walther von Seydlitz-Kurzbach 

Im Sommer 1943 versuchen hohe sowjetische Offiziere und führende kommunistische Emigranten, aber auch militärische Präsidiumsmitglieder des Nationalkomitees Freies Deutschland, die in Stalingrad gefangengenommenen deutschen Offiziere, vor allem die Generale, zur öffentlichen Abkehr von Hitler zu bewegen. Nach einigem Zögern erklären einige der gefangenen Generale, von Hitler verraten worden zu sein. Angesichts des verlorenen Krieges und in Sorge um den Bestand des Deutschen Reiches entschließen sie sich zur Mitarbeit. Die Gründungsversammlung des Bundes Deutscher Offiziere findet im September 1943 in Lunjowo statt, an seiner Spitze steht der General der Artillerie Walther von Seydlitz, der als besonders fähiger General gilt. Seydlitz ahnt bereits im Spätherbst 1942, dass Stalingrad von den deutschen Truppen nicht zu halten ist. Die Niederlage der Sechsten Armee bedeutet für ihn aber nicht allein die Wende des Krieges, sondern beweist ihm die Verantwortungslosigkeit und Unfähigkeit der deutschen Führung. Seydlitz fühlt sich nicht mehr an seinen Eid auf Hitler gebunden. Sein Aufruf, den „Führer“ zu stürzen und so den Krieg zu beenden, gilt vielen als „ehrloser Verrat“. Seydlitz wird 1944 vom Reichskriegsgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Seine Angehörigen werden Opfer der Sippenhaft. Er weigert sich, Stalin seine Ergebenheit zu erklären, und wird 1950 in der Sowjetunion als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Zu 25jähriger Haft begnadigt, wird er 1955 aus der Gefangenschaft entlassen.

Literatur

  • Julia Warth: Verräter oder Widerstandskämpfer? Wehrmachtsgeneral Walter von Seydlitz-Kurzbach. München 2006
  • James Donald Carnes: General zwischen Hitler und Stalin. Das Schicksal des Walther v. Seydlitz. Düsseldorf 1980