Theodor Lessing

08. Februar 1872 - 30. August 1933
Theodor Lessing Theodor Lessing 

Der 1872 geborene Philosoph Theodor Lessing ist vor dem Ersten Weltkrieg Lehrer an verschiedenen Reformschulen. Trotz seiner Qualifikation bleibt ihm als Jude und Sozialdemokrat eine akademische Karriere zunächst versagt. Erst 1907 wird er an der TH Hannover habilitiert, ist dort Privatdozent und ab 1922 außerordentlicher Professor für Philosophie. Daneben arbeitet er als Feuilletonist. Sein kritisches Porträt des neuen Reichspräsidenten Hindenburg dient völkischen Studenten in Hannover 1925 als Vorwand für eine antisemitische Kampagne gegen ihn. Es kommt zu Vorlesungsblockaden, Morddrohungen und Übergriffen. Die TH Hannover kann ihm die allgemeine Lehrberechtigung zuerst nicht entziehen, wandelt jedoch seinen Lehrauftrag in einen Forschungsauftrag um. Lessing betätigt sich weiter als Journalist und Privatgelehrter. Anfang März 1933 flieht er in die Tschechoslowakei. Im Sommer nimmt er am Prager Zionistenkongress teil und plant, zusammen mit seiner Frau in Marienbad ein Landerziehungsheim zu eröffnen. Die NS-Presse streut zur selben Zeit Gerüchte über ein hohes Kopfgeld, das auf Lessing ausgesetzt sei. Am 30. August 1933 wird er in seiner Marienbader Wohnung von zwei Nationalsozialisten erschossen. Dieser erste politische Mord an einem deutschen Regimegegner im Ausland sorgt weltweit für Empörung.

Literatur

  • Rainer Marwedel: Theodor Lessing 1872 – 1933. Eine Biographie. Darmstadt u.a. 1987