Gertrud Koch

01. Juni 1924 - 21. Juni 2016
Gertrud Koch Gertrud Koch 

Gertrud „Mucki” Koch wird als Tochter eines Kesselschmieds und einer Apothekerin in Köln geboren. Ihr Vater ist Kommunist, wird nach 1933 häufig verhaftet und 1942 im Konzentrationslager ermordet. Die Familie ist vielfältigen Repressalien ausgeliefert. Die Mutter verliert ihre Arbeit, Mutter und Tochter müssen ihre Wohnung verlassen. Das Geld ist knapp und Gertrud muss schon als Kind zum Lebensunterhalt beitragen. Aus Geldmangel kann sie nicht die höhere Schule besuchen und macht eine Ausbildung in einem Montessori- Kindergarten. Allerdings kann sie keinen Abschluss machen, denn ihre Familie gilt als „politisch unzuverlässig”.
Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist sie Mitglied der kommunistischen Roten Jungpioniere und weigert sich nach 1933, dem "Bund Deutscher Mädel" beizutreten. Sie gründet mit Freunden aus Köln und Düsseldorf eine Gruppe, die gemeinsam wandert, musiziert und zunehmend politisch aktiv wird. Die Gruppe beginnt, Flugblätter herzustellen und zu verbreiten. Die spektakulärste Aktion ist der Abwurf von Flugblättern aus der Kuppel des Kölner Hauptbahnhofs. Es kommt zu Verhaftungen.
Im Dezember 1942 wird Gertrud Koch ins Gestapo-Gefängnis Brauweiler gebracht, wo man sie schlägt und misshandelt. Im Mai 1943 wird sie ohne Angabe von Gründen aus dem Gefängnis entlassen und flieht mit ihrer Mutter nach Süddeutschland. Dort arbeitet sie bis zum Kriegsende auf einem Bauernhof und kehrt dann nach Köln zurück. Im Jahr 2000 erzählt Gertrud Koch das erste Mal ihre Geschichte in der Öffentlichkeit und erhält 2011 das Bundesverdienstkreuz.

Literatur

  • Gertrud Koch: Edelweiß. Meine Jugend als Widerstandskämpferin. Reinbek 2006
  • Simone Dittmar: "Wir wollen frei von Hitler sein." Jugendwiderstand im Dritten Reich am Beispiel von drei Kölner Edelweißpiraten. Frankfurt am Main 2011
  • Bernd Rusinek: Gesellschaft in der Katastrophe. Terror, Illegalität, Widerstand - Köln 1944/45. Essen 1989