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Eugen Herman-Friede

23. April 1926 -
Eugen Herman-Friede Eugen Herman-Friede 

Eugen Herman-Friede wird als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren. Nach deren Scheidung heiratet seine Mutter Anja den nichtjüdischen Handelsvertreter Julius Friede. Dieser wird 1933 wegen seiner Ehe mit einer Jüdin entlassen. Eugen besucht die Jüdische Mittelschule, bis er 1942 als Zwangsarbeiter auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee verpflichtet wird. Aus Angst vor der Abholung durch die Gestapo vermittelt Julius Friede seinem Stiefsohn Ende Januar 1943 ein Versteck bei einem Tankwart in Berlin-Kreuzberg. Anschließend kommt Eugen bei Familie Horn in Blankenburg unter, bis ihn Julius Friedes Schwester in Berlin-Schöneberg aufnimmt. Ab August 1943 findet Eugen bei Familie Winkler in Luckenwalde Unterschlupf. Ab April 1944 ist er in einer Luckenwalder Pension, in der auch seine Eltern untergetaucht sind. Eugen beteiligt sich trotz seiner Gefährdung an den Widerstandsaktionen der „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau”, bis er im Dezember 1944 mit seinen Eltern festgenommen wird. Es folgt eine Odyssee durch Berliner Gefängnisse: Von einem Potsdamer Gefängnis kommt er in die Schulstraße in Berlin-Wedding, bis er in das Gefängnis am Alexanderplatz verlegt wird. Seine letzte Station sind die Bunkerzellen in der Großen Hamburger Straße 26. Unverhofft wird er von dort an seinem 19. Geburtstag im April 1945 freigelassen. Anja Friede kann im selben Jahr aus dem Ghetto Theresienstadt zurückkehren. Sein Stiefvater Julius Friede wird am 19. Dezember 1944 im Gefängnis am Alexanderplatz tot aufgefunden, wo er sich offenbar das Leben genommen hat.

Literatur

  • Eugen Herman-Friede: Für Freudensprünge keine Zeit. Erinnerungen an Illegalität und Aufbegehren 1942-1948. Berlin 1991
  • Eugen Herman-Friede: Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand. Hildesheim 2004
  • Gedenkstätte Stille Helden. Widerstand gegen die Judenverfolgung 1933 bis 1945. Katalog zur Ausstellung. Hrsg. von der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 2010
  • Barbara Schieb-Samizadeh: Die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau. In: Wilfried Löhken/Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion. Berlin 1993, S. 37ff.