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Hans Hutzelmann

29. Mai 1906 - 15. Januar 1945
Hans Hutzelmann Hans Hutzelmann 

1942 bildet sich in München eine Widerstandsgruppe um Karl Zimmet, Georg Jahres und Hans Hutzelmann. Sie stehen der KPD nahe und wollen vor allem Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mit ihren Flugblättern erreichen. Hans Hutzelmann, 1906 geboren, gehört verschiedenen Widerstandsgruppen an, ehe er 1941 zum Kreis um Josef Römer stößt und sich nach dessen Verhaftung der Gruppe um Zimmet anschließt. Die Niederlage der deutschen Wehrmacht bei Stalingrad erscheint vielen Gegnern des NS-Regimes als Wende des Krieges. Zweifel am „Endsieg“ zu äußern, gilt jedoch als Defaitismus und Wehrkraftzersetzung. Darauf steht die Todesstrafe. Die Widerstandsgruppe um Karl Zimmet betont deshalb in einem Flugblatt, dass führende Nationalsozialisten selbst Zweifel am siegreichen Kriegsende hegen, und erinnert an die Verbrechen, für die sich die NS-Führung später verantworten müsse. Die Münchener Gruppe um Hutzelmann und Zimmet arbeitet auch mit anderen regionalen Kreisen zusammen, vor allem mit einer Münchener Widerstandsorganisation von sowjetischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, der Organisation BSW (Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen). Viele ihrer Mitglieder sind bis heute unbekannt. Ein BSW-Mitglied hat Verbindung zu Emma Hutzelmann und damit über ihren Mann zur Widerstandsgruppe Antinazistische Deutsche Volksfront. Emma Hutzelmann ist bereits 1942 nach der Entdeckung der Widerstandsgruppe um Josef Römer festgenommen worden. Wieder freigelassen, beschafft sie Kleidung und Nahrungsmittel für Kriegsgefangene. Durch Gestapo-Spitzel werden im Spätherbst 1943 in mehreren Zwangsarbeiterlagern insgesamt 13 Gruppen mit nahezu 300 Mitgliedern aufgedeckt. Allein am 4. September 1944 fallen mehr als 90 Angehörige der BSW im KZ Dachau einer Massenerschießung zum Opfer. Hans Hutzelmann wird zusammen mit Rupert Huber und dem tschechischen Chemiker Karel Mervaert am 8. Dezember 1944 zum Tode verurteilt und am 15. Januar 1945 in Brandenburg-Görden ermordet.

Literatur

  • Andreas Heusler: Ausländereinsatz. Zwangsarbeit für die Münchner Kriegswirtschaft 1939-1945. München 1996
  • Heike Bretschneider: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1933-1945. München 1968
  • Joseph A. Brodski: Die Lebenden kämpfen. Die illegale Organisation Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen (BSW). Berlin (Ost) 1968
  • Joseph A. Brodski: Gegen das Vergessen. Aus dem Widerstand sowjetischer Kriegsgefangener in deutschen Lagern, in: Dachauer Hefte 7 (1991), S. 13–23
  • Marion Detjen: „Zum Staatsfeind ernannt“. Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München. München 1998