Paul Eppstein

04. März 1901 - 1944
Paul Eppstein Paul Eppstein 

Paul Eppstein studiert Rechts- und Staatswissenschaften, Soziologie und Volkswirtschaft und promoviert 1924. Zwischen 1928 und 1933 leitet er die Volkshochschule Mannheim und ist im Verband der jüdischen Jugendbünde aktiv, bis er vom Vorstand der Reichsvertretung der deutschen Juden in Berlin aufgefordert wird, diesem beizutreten. Jetzt beschäftigt er sich überwiegend mit Verwaltungsfragen, Finanzen und sozialen Aufgaben. Daneben lehrt er Soziologie an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Nach dem Tode Otto Hirschs ist er vorübergehend Leiter der Reichsvertretung. Nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938 erhält Eppstein eine Einladung aus England zu Vorlesungen in Soziologie, die er jedoch ablehnt, da er Deutschland nicht verlassen will. Ab Juli 1939 in der nun in Reichsvereinigung der Juden in Deutschland umbenannten gesamtjüdischen Interessenvertretung tätig, muss er mehrmals im Reichssicherheitshauptamt erscheinen. Im Januar 1943 wird Paul Eppstein zusammen mit seiner Frau und Leo Baeck und weiteren Funktionären der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland ins Ghetto Theresienstadt deportiert und bald als Nachfolger von Jakob Edelstein zum Judenältesten ernannt. Als solcher hat er die tragische Aufgabe, die Deportationen in die Vernichtungslager mit vorzubereiten. Am 27. oder 28. September 1944 wird Paul Eppstein von SS-Männern in der Kleinen Festung Theresienstadt erschossen.

Literatur

  • Beate Meyer: Tödliche Gratwanderung – Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zwischen Hoffnung, Zwang, Selbstbehauptung und Verstrickung (1939–1945). Göttingen 2011
  • Karl Otto Watzinger: Geschichte der Juden in Mannheim 1650–1945. Stuttgart 1984
  • Israel Gutman (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust – Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. 3 Bände, München/Zürich 1998