Elisabeth Schiemann

15. August 1881 - 03. Januar 1972
Elisabeth Schiemann Elisabeth Schiemann 

Elisabeth Schiemann wächst in Berlin in einer Akademikerfamilie auf. Sie macht eine Ausbildung als Lehrerin, bis sie mit 27 Jahren als eine der ersten Frauen an der Universität Berlin zum Studium der Naturwissenschaften zugelassen wird. 1912 schreibt sie eine Doktorarbeit über Pflanzengenetik und arbeitet anschließend als Assistentin am Institut für Vererbungsforschung an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. 1924 erhält sie die akademische Lehrerlaubnis und arbeitet als Privatdozentin. Zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtübernahme lehrt Elisabeth Schiemann als außerordentliche Professorin. 1934 tritt sie in die Bekennende Kirche ein. Sie spricht sich dort und auch öffentlich gegen die pseudowissenschaftliche „Rassentheorie” des Nationalsozialismus aus und lehnt es ab, biologische Vererbungsgesetze auf Menschen zu übertragen. 1940 wird ihr wegen „politischer Unzuverlässigkeit” die Lehrberechtigung entzogen. Ab 1943 unterstützt sie zwei versteckt lebende Christinnen jüdischer Herkunft. Als einzige deutsche Expertin für die Geschichte der Kulturpflanzen wird sie 1943 zur Abteilungsleiterin am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kulturpflanzenforschung in Wien berufen. Nach 1945 spielt sie eine wichtige Rolle bei der Erneuerung der Wissenschaften in Deutschland.

Literatur

  • Reiner Nürnberg/Ekkehard Höxtermann/Martina Voigt (Hrsg.): Elisabeth Schiemann 1881–1972. Vom Aufbruch der Genetik und der Frauen in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Rangsdorf 2014
  • Martina Voigt: Weggefährtin im Widerstand. Elisbeth Schiemanns Einsatz für die Gleichberechtigung der Juden. In: Manfred Gailus (Hrsg.): Elisabeth Schmitz und ihre Denkschrift gegen die Judenverfolgung. Konturen einer vergessenen Biografie (1893–1977). Berlin 2008, S. 128 ff.
  • Elvira Scheich: Elisabeth Schiemann (1881-1972), Patriotin im Zwiespalt. In: Susanne Heim (Hrsg.): Autarkie und Ostexpansion. Pflanzenzucht und Agrarforschung im Nationalsozialismus. Göttingen 2002, S. 250 ff.