Arvid Harnack

24. Mai 1901 - 22. Dezember 1942
Arvid Harnack Arvid Harnack 

Arvid Harnack wächst in einer Gelehrtenfamilie auf und schließt sich nach dem kriegsbedingten Notabitur 1919 einem Freikorps an. Ein Rockefeller-Stipendium ermöglicht dem Juristen von 1926 bis 1928 ein Studium in Madison/Wisconsin. Dort lernt er seine Frau Mildred kennen. 1931 promoviert Harnack in Gießen über die vormarxistische Arbeiterbewegung in den USA. Mit einer Delegation der von ihm mitbegründeten Gesellschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft (ARPLAN) reist er im Sommer 1932 in die Sowjetunion. Nach 1933 beginnt Harnack einen Schulungszirkel aufzubauen, dem zunächst junge Arbeiter, später der Schriftsteller Adam Kuckhoff, seine Frau Greta, zeitweilig der religiöse Sozialist und ehemalige preußische Kultusminister Adolf Grimme, der Unternehmer Leo Skrzypczynski und andere angehören. Harnack will die Beteiligten befähigen, sich mit den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, und sie für die Zeit nach dem Sturz des NS-Regimes vorbereiten. Er verbreitert seine Kontakte zu gegenüber dem NS-Regime kritisch eingestellten Mitarbeitern aus Regierungsstellen. In Gesprächen mit Vertretern der amerikanischen und sowjetischen Botschaft vermittelt Harnack Einschätzungen der politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Seit 1935 im Amerikareferat des Wirtschaftsministeriums tätig, wird er 1937 Mitglied der NSDAP und avanciert bis 1942 zum Oberregierungsrat. Seit 1940 kooperiert Harnack mit Harro Schulze-Boysen, den er 1935 kennengelernt hat. Sie informieren Anfang 1941 einen Angehörigen der sowjetischen Botschaft über die Vorbereitungen des militärischen Angriffs auf die Sowjetunion. Anfang 1942 erarbeitet Harnack die Studie "Das nationalsozialistische Stadium des Monopolkapitals", die in Berliner und Hamburger Widerstandskreisen zirkuliert. Harnack wird am 7. September 1942 verhaftet, am 19. Dezember vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und auf Befehl Hitlers am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Literatur

  • Axel von Harnack: Arvid und Mildred Harnack. Erinnerungen an ihren Prozeß 1942/43. In: Die Gegenwart, 2, 1947, S. 15-17
  • Shareen Brysac: The American Connection. In: H. Coppi, J. Danyel, J. Tuchel (Hrsg.): Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin 1994