Anita Augspurg

22. September 1857 - 20. Dezember 1943
Anita Augspurg Anita Augspurg 

Um das Frauenwahlrecht besser durchsetzen zu können, entschließt sich die Wahlmünchnerin Anita Augspurg 1893 zu einem Jurastudium, das sie in Zürich belegt, da ihr als Frau im Deutschen Reich der Zugang zur juristischen Hochschule verwehrt ist. Als erste deutsche promovierte Juristin kehrt sie nach Deutschland zurück. Als am 8. November 1918 in München die Bayerische Republik proklamiert und in Bayern das Frauenwahlrecht eingeführt wird, gehört sie dem „revolutionären Zentralarbeiterrat“, später dem Rätekongress an und arbeitet mit Kurt Eisner zusammen. In den Folgejahren bezieht Augspurg in der von ihr mit herausgegebenen Monatsschrift „Die Frau im Staat“ und in anderen Publikationen eindeutig Stellung gegen den wachsenden antisemitischen Terror und kritisiert die politischen Missstände. Anita Augspurg und ihre Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann bekommen die antisemitische Hetze und die Gewalttätigkeit der Nationalsozialisten in München früh zu spüren. Öffentliche Versammlungen werden ab 1920 gezielt angegriffen. Nach einem besonders brutalen Übergriff im Januar 1923, bei dem eine Frau schwer verletzt wird, spricht eine Frauendelegation, der auch die Gründerin des Katholischen Frauenbundes Ellen Ammann angehört, beim bayerischen Innenminister Franz Schweyer (BVP) vor. Sie fordert von ihm die Ausweisung der Österreichers Adolf Hitler. Die Aktion bleibt erfolglos und Hitler unternimmt am Ende des Jahres 1923 seinen Putschversuch. In den folgenden Jahren ist Anita Augspurg als Jüdin ständigen Angriffen der völkisch-nationalen Bewegung ausgesetzt. Versammlungsstörungen und gewalttätige Übergriffe sowie eine beispiellose Hetzkampagne gegen die Mitglieder behindern die Arbeit der pazifistischen Frauenbewegung. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme kehrt Anita Augspurg 1933 von einer Auslandsreise nicht nach Deutschland zurück, um der Verfolgung durch die neuen Machthaber zu entgehen. Im Schweizer Exil können Anita Augspurg und Lida Heymann durch publizistische Tätigkeiten und die Unterstützung von Freundinnen nur mühsam ihren Unterhalt sichern. Durch die Flüchtlingsbestimmungen „zum Schweigen verdammt“, sind ihre letzten Lebensjahre von Resignation geprägt.

Literatur

  • Lida Gustava Heymann in Zusammenarbeit mit Anita Augspurg: Erlebtes, Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden. Hrsg. von Margrit Twellmann. Maisenheim am Glan 1972 (2. Auflage Frankfurt am Main 1992
  • Susanne Kinnebrock: Anita Augspurg (1857–1943). Feministin und Pazifistin zwischen Journalismus und Politik. Eine kommunikationshistorische Biographie. Herbolzheim 2005
  • Anna Dünnebier/Ursula Scheu: Die Rebellion ist eine Frau. Anita Augspurg und Lida G. Heymann – Pionierinnen der Frauenbewegung. Kreuzlingen 2002
  • Christiane Henke: Anita Augspurg. Reinbek 2000