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Willi Eichler

07. Januar 1896 - 17. Oktober 1971
Willi Eichler Willi Eichler 

Willi Eichler, in Berlin als Sohn eines Postbeamten geboren, wird kaufmännischer Angestellter, nimmt am Ersten Weltkrieg teil und tritt 1919 in die SPD ein. Wenig später wird er Privatsekretär und einer der engsten Vertrauten von Leonard Nelson, der 1917/18 einen Internationalen Jugendbund als neue Erziehungsgemeinschaft auf lebensreformerischer Grundlage geschaffen hat. Zu den engen Mitarbeiterinnen von Nelson gehören auch die Pädagogin Minna Specht und die Publizistin Mary Saran. Als der Jugendbund wegen politischer Differenzen aus der SPD ausgeschlossen wird, entsteht der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK). Nach Nelsons Tod 1927 übernimmt Eichler den Vorsitz des ISK und gibt die theoretischen Parteiorgane "isk - Mitteilungsblatt des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes" und "Der Funke" heraus. Im November 1933 muss Eichler aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen. Er baut in Paris eine Auslandszentrale auf, die der Unterstützung der illegalen ISK-Gruppen in Deutschland dient. In den folgenden Jahren konzentriert sich Eichler auf den Kampf gegen das NS-Regime mit publizistischen Mitteln. Im April 1938 wird er wegen seiner politischen Tätigkeit aus Frankreich ausgewiesen, findet aber in London Asyl. Dort leitet er eine kleine ISK-Gruppe und gibt ISK-Zeitschriften und -Broschüren heraus. 1941 tritt Eichler mit seinem Kampfbund der Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien bei und leitet als Mitglied der Exekutive im August 1945 die Vereinigung mit der SPD ein. Darüber hinaus wird er auch Mitglied der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien. Anfang 1946 kehrt Eichler nach Deutschland zurück. Er gilt als maßgeblicher Theoretiker der SPD und als Vater des „Godesberger Programms“. Willi Eichler stirbt 1971 in Bonn.

Literatur

  • Inge Hansen-Schaberg: Minna Specht. Eine Sozialistin in der Landerziehungsheimbewegung (1918 bis 1951). Untersuchung zur pädagogischen Biographie einer Reformpädagogin. Frankfurt a. M. 1992
  • Mary Saran: Gib niemals auf. Erinnerungen. Bonn 1979
  • Sabine Lemke-Müller: Ethischer Sozialismus und soziale Demokratie. Der politische Weg Willi Eichlers vom ISK zur SPD. Bonn 1988