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Walter Cramer

01. Mai 1886 - 14. November 1944
Walter Cramer Walter Cramer 

Walter Cramer verfügt als Textilkaufmann und Vorstandsmitglied der Kammgarnspinnerei Stöhr über weitreichende Verbindungen im In- und Ausland. Nach 1933 distanziert er sich von den Nationalsozialisten. Durch seine Freundschaft mit dem früheren Oberbürgermeister von Leipzig Carl Goerdeler kommt er früh mit dessen Widerstandsverbindungen in Kontakt. Cramer ist verheiratet mit Charlotte Weber und hat mit ihr zwei Töchter und einen Sohn. Er kennt einige der am Staatsstreich beteiligten Generäle und Offiziere gut und verurteilt zunehmend die Kriegsführung Hitlers. Er verteilt in seiner Firma u.a. die Predigten des Kardinals von Galen gegen die Krankenmordaktionen und bemüht sich intensiv um die Unterstützung von verfolgten Juden in Deutschland, aber auch um jüdische Mitarbeiter in den Zweigwerken seiner Firma in Südosteuropa. Auf Bitten Goerdelers stellt sich Cramer für die Umsturzpläne als politischer Beauftragter im Wehrkreis IV (Dresden) zur Verfügung. Er wird nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler in Leipzig am 22. Juli 1944 verhaftet, von Dresden aus nach Berlin in das Gefängnis Lehrter Straße 3 gebracht und in der Prinz-Albrecht-Straße 8 schweren Misshandlungen ausgesetzt. Später wird Cramer in das Berliner Gefängnis Tegel verlegt. Am 14. November 1944 verurteilt der Volksgerichtshof unter Roland Freisler Walter Cramer zum Tode, noch am selben Tag wird er in Berlin-Plötzensee ermordet.

Literatur

  • Beatrix Heintze: "Walter Cramer (1886-1944)". In: Reiner Groß und Gerald Wiemers (Hrsg.): Sächsische Lebensbilder, Band 4. Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Stuttgart 1999, S. 63-73
  • Beatrix Heintze: Walter Cramer (1886-1944): Ein Leipziger Unternehmer im Widerstand. Köln 1993.
  • Beatrix Heintze: Walter Cramer, die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co in Leipzig und die sogenannte „Judenfrage“. Materialien zu einer Gratwanderung zwischen Hilfe und Kapitulation. (Erinnerungen 3, Hrsg. vom Sächsischen Wirtschaftsarchiv). Leipzig 2003.