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Marianne Cohn

17. September 1922 - 08. Juli 1944
Marianne Cohn Marianne Cohn 

Marianne Cohn wächst seit 1928 in Berlin auf. 1934 emigriert die Familie zunächst nach Barcelona. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges werden Marianne und ihre Schwester Lisa nach Paris, bald darauf von einer Hilfsorganisation in die Schweiz geschickt. Als die Eltern nach der Einreise nach Frankreich in Moissac zwangsangesiedelt werden, findet die Familie wieder zusammen. In Moissac schließt sich Marianne Cohn einer Pfadfinderorganisation an, die jüdische Kinder und Jugendliche illegal in Kinderheimen oder bei nichtjüdischen Familien unterbringt. Da diese Kinder zum Teil Schwierigkeiten haben, sich in den katholischen Familien zurecht zu finden, und oft einen fremden Akzent sprechen, birgt ihr Aufenthalt große Risiken. Deshalb wird beiderseits der französisch-schweizerischen Grenze eine Fluchthilfe organisiert. Kleine Gruppen von Kindern werden in nächtlichen Reisen etappenweise über die Grenze gebracht. Drei bis vier dieser heimlichen Kindertransporte gehen wöchentlich bis September 1943 in Richtung Schweizer Grenze ab. Am 31. Mai 1944 wird Marianne Cohn, als sie einen solchen Transport begleitet, kurz vor der schweizerischen Grenze von deutschen Zöllnern kontrolliert. Sie behauptet, die Kinder würden in der nahe gelegenen Ferienkolonie erwartet. Als sich herausstellt, dass dies nicht zutrifft, und sie als Juden erkannt werden, wird die ganze Gruppe inhaftiert. Marianne Cohn schlägt die Möglichkeit zur Flucht aus, um bei den Kindern bleiben zu können. Es gelingt ihr, die kleineren Kinder frei zu bekommen, während die größeren Kinder in einer Hotelküche arbeiten müssen. So können sie gerettet werden. Marianne Cohn wird am 8. Juli 1944 in der Nähe von Annemasse ermordet.

Literatur

  • Kurt Schilde: „Geht die Arbeit weiter?“ Marianne Cohn – Sozialarbeiterin in der Résistance. Marianne Cohn (1922-1944). In: Hering, Sabine (Hrsg.): Jüdische Wohlfahrt im Spiegel von Biographien. Unter Mitarbeit von Sandra Schönauer. Frankfurt a.M. 2006, S. 136ff.
  • Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod! Das Buch vom Widerstand der Juden 1933 – 1945. Köln 1994, S. 439ff.
  • Georg Heuberger: Im Kampf gegen Besatzung und „Endlösung“. Widerstand der Juden in Europa 1939 – 1945. Frankfurt am Main 1995, S. X