Skip to content

Gerhart Seger

16. November 1896 - 21. Januar 1967
Gerhart Seger Gerhart Seger 

Gerhart Seger ist in der Weimarer Republik als Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft und als Redakteur verschiedener sozialdemokratischer Zeitungen tätig. 1930 wird er für die SPD in den Reichstag gewählt. Am 12. März 1933 wird Seger, der sich durch seine Tätigkeit den besonderen Hass des Gauleiters von Magdeburg-Anhalt Wilhelm Loeper zugezogen hat, festgenommen und in das Gerichtsgefängnis Dessau gebracht. Am 14. Juni 1933 wird er in das KZ Oranienburg überstellt. Die Häftlinge des Lagers sind den Schikanen und der Gewalt der SA-Wachmannschaften ausgeliefert und werden zu verschiedenen Arbeiten herangezogen. Angesichts der unerträglichen Haftbedingungen entschließt sich Gerhart Seger im Dezember 1933 zur Flucht aus einem KZ-Außenkommando. Es gelingt ihm, in die Tschechoslowakei zu entkommen. Im Prager Exil schreibt er seine Erfahrungen nieder. Anfang 1934 erscheint seine Schrift „Oranienburg” zunächst in Karlsbad, im Laufe des Jahres dann in hohen Auflagen in ganz Europa und Nordamerika. Seger unternimmt ausgedehnte Vortragsreisen, um die Weltöffentlichkeit über die Zustände in deutschen Konzentrationslagern aufzuklären. Die Nationalsozialisten nehmen im Januar 1934 seine Frau Elisabeth und seine zweijährige Tochter Renate in Haft. Erst nach heftigen öffentlichen Protesten kommen sie im Mai 1934 aus dem KZ Rosslau frei. Im Oktober 1934 emigriert die Familie über Frankreich in die USA, wo sich Seger als Chefredakteur der „Deutschen Volkszeitung” und Berater der amerikanischen Regierung weiterhin für ein demokratisches Deutschland einsetzt.

Literatur

  • Gerhart Seger: Oranienburg. Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann. Karlsbad 1934
  • Gerhart Seger: Reisetagebuch eines deutschen Emigranten. Zürich 1936
  • Irmtraud Ubbens: Gerhart Seger. In: Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. USA. Band 3, Teil 4. Hrsg. von John M. Spalek/Konrad Feilchenfeld/Sandra H. Hawrylchak. München 2003, S. 170ff.
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Marburg 2000, S. 266f.
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933 – 1945. Eine biographische Dokumentation. Düsseldorf 1994, 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage