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Franz Kaufmann

05. Januar 1886 - 17. Februar 1944
Franz Kaufmann Franz Kaufmann 

Franz Kaufmann studiert Jura und Staatswissenschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg ist der promovierte Jurist zunächst beim Magistrat in Berlin-Charlottenburg beschäftigt, wird 1922 ins Preußische Innenministerium berufen und ist schließlich als Oberregierungsrat am Rechnungshof tätig. Wegen seiner jüdischen Herkunft wird Kaufmann 1936 entlassen. Der konservative Christ gehört seit 1940 der Bekenntnisgemeinde in Berlin-Dahlem an. Durch seine Ehe vor der Deportation geschützt, beginnt er in Zusammenarbeit mit dem Büro von Pfarrer Heinrich Grüber, Hilfe für rassisch Verfolgte zu organisieren. Kaufmann sammelt einen Kreis von Helfern um sich, insbesondere Mitglieder der Bekenntnisgemeinde Dahlem, von denen einige selbst zu den Gefährdeten gehören. Er nutzt seine vielfältigen Kontakte als ehemaliger Regierungsbeamter, um Verfolgten Verstecke, gefälschte Ausweise und Lebensmittelkarten zu verschaffen. Nach einer Denunziation und erzwungenen Geständnissen werden Kaufmann und etwa 50 weitere Menschen aus seinem Umkreis festgenommen. Nahezu sechs Monate wird er gefangen gehalten, brutal misshandelt und immer wieder verhört. Ohne ihn jemals vor Gericht zu stellen, ermordet die Geheime Staatspolizei Franz Kaufmann am 17. Februar 1944 im KZ Sachsenhausen.

Literatur

  • Björn Mensing/Heinrich Rathke: Mitmenschlichkeit, Zivilcourage, Gottvertrauen. Evangelische Opfer von Nationalsozialismus und Stalinismus. Leipzig 2003, S. 101-105
  • Björn Mensing: „Jetzt bin ich Gangster“. Die Berliner Kaufmann-Gruppe kämpfte mit allen Kräften gegen die Deportation von Juden, in: Zeitzeichen. Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft, 5 (2004), H. 2, S. 52-54
  • Klaus Drobisch: Art. Franz Kaufmann, in: Manfred Asendorf/Rolf von Bockel (Hrsg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart/Weimar 1997, S. 322-323