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Edith Jacobson

10. September 1897 - 08. Dezember 1978
Edith Jacobson Edith Jacobson 

Edith Jacobson, Tochter einer jüdischen Arztfamilie, ist Nervenärztin und eine bekannte Psychoanalytikerin. Bis 1933 engagiert sie sich im „Kinderseminar” Otto Fenichels, einem Zusammenschluss jüngerer Analytiker und Ausbildungskandidaten am Berliner Psychoanalytischen Institut. Fenichel gründet 1929 eine informelle Gruppe marxistisch orientierter Psychoanalytiker. Während seiner Emigration — 1934 nach Oslo, 1935 nach Prag, 1938 nach Los Angeles — organisiert er mit Hilfe von streng geheimen, nur für einen „inneren Kreis” bestimmten Rundbriefen den Kontakt zwischen etwa einem Dutzend in alle Welt zerstreuten Gruppenmitgliedern. Edith Jacobson gehört zu den Empfängern von Otto Fenichels Rundbriefen. Edith Jacobson arbeitet ab 1932 in der marxistischen Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit Wilhelm Reich, mit dem sie auch an einer Sexualberatungsstelle für Jugendliche in Berlin-Charlottenburg tätig ist. Als sie sich der Gruppe Neu Beginnen anschließt nimmt sie den Decknamen „John” an und stellt ihre Wohnung für Zusammenkünfte zur Verfügung. Am 8. September 1936 wird sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, die sie in der Frauenabteilung des Untersuchungsgefängnisses Berlin-Moabit verbüßt. In der Untersuchungshaft setzt sie ihre wissenschaftlichen Arbeiten fort. Anfang 1938 nutzt sie einen Hafturlaub zur Flucht nach Prag. Später emigriert sie in die USA und arbeitet dort als Ärztin.

Literatur

  • Edith Jacobson: Gefängnisaufzeichnungen. Hrsg. von Judith Kessler und Roland Kaufhold. Gießen 2015
  • Ulrike May/Elke Mühlleitner (Hrsg.): Edith Jacobson. Sie selbst und die Welt ihrer Objekte. Leben, Werk, Erinnerungen. Gießen 2005
  • Michael Schröter/Elke Mühlleitner/Ulrike May: Edith Jacobssohn: Ihre Jahre in Deutschland (1897-1938). In: Psyche 58 (2004), S. 544 ff.