"Wegen der vielen Morde" nannte Ulrich Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld vor dem "Volksgerichtshof" als Motiv für seine Beteiligung an der Verschwörung des 20. Juli 1944. Die Empörung über die Verbrechen an der Zivilbevölkerung, insbesondere der Mord an den europäischen Juden, war für viele ausschlaggebend, Widerstand zu leisten. Klare Hinweise darauf enthalten Verhörprotokolle, aber auch Briefe und Tagebuchaufzeichnungen. In den letzten Jahren haben Historiker aber auch auf Generäle hingewiesen, die gegen Hitler konspirierten und zeitgleich Verbrechen an Zivilisten oder Kriegsgefangenen befohlen oder mitverantwortet haben. So war Eduard Wagner, der Stauffenberg am 20. Juli 1944 das Flugzeug zur Rückkehr nach Berlin zur Verfügung stellte, als Generalquartiermeister u.a. mitverantwortlich für den millionenfachen Hungertod sowjetischer Kriegsgefangener. Generaloberst Erich Hoepner, schon seit 1938 an Verschwörungsplänen beteiligt, forderte vor dem Angriff auf die Sowjetunion den "Willen zur erbarmungslosen, völligen Vernichtung des Feindes" und sah in diesem Krieg auch "die Abwehr des jüdischen Bolschewismus". Das Seminar versucht, einen Einblick in das komplexe Themenfeld zu geben, und will auch zur Diskussion auffordern, wie mit diesem schwierigen Erbe jenseits wissenschaftlicher Fachkontroversen umgegangen werden kann.