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Arvid und Mildred Harnack
Harro und Libertas Schulze-Boysen
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Arvid und Mildred Harnack
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| Der Jurist Arvid Harnack und seine Frau, die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Mildred Harnack, wollen seit 1933 das nationalsozialistische Regime von innen heraus bekämpfen. Gemeinsam mit dem Ehepaar Adam und Greta Kuckhoff diskutieren sie im Freundeskreis neue Literatur, Grundfragen der Politik und wissenschaftliche Probleme. Zu diesem Kreis gehören auch Schüler Mildred Harnacks am Berliner Abendgymnasium.
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Mildred und Arvid Harnack
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| Arvid Harnack will seine Freunde auf die Neuordnung Deutschlands nach dem Ende des Nationalsozialismus vorbereiten. Er wird nach dem zweiten juristischen Staatsexamen im Reichswirtschaftsministerium angestellt. Um unauffälliger gegen das Regime arbeiten zu können, tritt er 1937 sogar der NSDAP bei. Manche Verbindungen zu früheren Gesprächspartnern in der amerikanischen und in der sowjetischen Botschaft bleiben erhalten. Der vorsichtige und nüchterne Ministerialbeamte will nach 1939 vor allem dazu beitragen, den Krieg rasch zu beenden und die staatliche Existenz des Deutschen Reiches zu sichern. Er bekämpft daher nicht nur mit Schulungen und Flugschriften das Regime von innen, sondern versucht auch, mit anderen Widerstandskämpfern Kontakt zu bekommen und den Krieg durch die Weitergabe militärisch wichtiger Informationen an die Sowjetunion zu verkürzen. |
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Arvid Harnack
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| Arvid Harnack, am 24. Mai 1901 in Darmstadt geboren, wächst in einer liberalen Familie auf. Sein Vater Otto Harnack, Professor für Literaturgeschichte und Ästhetik, lehrt in Darmstadt, später in Stuttgart. Arvid Harnacks Onkel ist der bekannte Theologe Adolf von Harnack. Er gilt als führender Gelehrter des Kaiserreichs und ist Mitbegründer der angesehenen "Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften" . Arvid Harnack studiert in Jena, Graz und Hamburg Rechtswissenschaft, legt 1923 das juristische Staatsexamen ab und promoviert ein Jahr später. |
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Arvid Harnack
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| Anschließend studiert er in Großbritannien und den Vereinigten Staaten Nationalökonomie. Dabei setzt er sich mit ordnungs- und wirtschaftspolitischen Grundproblemen auseinander und beginnt, eine zweite Dissertation über die amerikanische Arbeiterbewegung zu schreiben. 1931 wird er zum Doktor der Philosophie promoviert. Der hochbegabte Arvid Harnack will Hochschullehrer werden und durch die Verbindung von Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre seine staatswissenschaftlichen Kenntnisse fundieren. Durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegen Ende der Weimarer Republik wird der Weg in die Universitätslaufbahn jedoch verstellt. Arvid Harnack kann sein wissenschaftliches Hauptwerk "Die marxistische Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten" nach der nationalsozialistischen Machtübernahme nicht mehr veröffentlichen. Bereits 1933 beginnt er im privaten Kreis illegale Schulungskurse. Seit 1935 arbeitet er im Reichswirtschaftsministerium und wird 1942 zum Oberregierungsrat befördert. Er ist für handelspolitische Grundsatz- und Amerikafragen verantwortlich. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion verstärken die Widerstandsgruppen, die sich um ihn und Schulze-Boysen gebildet haben, ihre Aktivitäten. Sie wollen den Krieg so schnell wie möglich beenden. Die Gestapo nimmt Arvid und Mildred Harnack am 7. September 1942 fest. Das Reichskriegsgericht verurteilt Arvid Harnack am 19. Dezember 1942 zum Tode, drei Tage später wird er in Berlin-Plötzensee ermordet. |
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Mildred Harnack-Fish
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| Die am 16. September 1902 in Milwaukee/Wisconsin (USA) geborene Mildred Fish stammt aus einer amerikanischen Kaufmannsfamilie und lehrt Literaturwissenschaft an der Universität Madison, wo sie Arvid Harnack während seines Studiums in den Vereinigten Staaten kennen lernt. Sie heiraten 1926. 1929 folgt Mildred ihrem Mann nach Deutschland. Sie lehrt an der Berliner Universität, am Berliner Städtischen Abendgymnasium und an der Volkshochschule Groß-Berlin. 1941 promoviert sie in Gießen und arbeitet als Dozentin an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität. Gemeinsam mit ihrem Mann beteiligt sie sich an allen Aktionen des Widerstands. |
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Mildred Harnack-Fish
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| Mildred Harnack gilt als hochbegabte Wissenschaftlerin und Übersetzerin. Am 7. September 1942 wird sie gemeinsam mit ihrem Mann festgenommen und am 19. Dezember 1942 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf Befehl Hitlers verhängt das Reichskriegsgericht in einem erneuten Verfahren am 16. Januar 1943 die Todesstrafe. Mildred Harnack wird am 16. Februar 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Bei ihrer Verhaftung hat sie einen Band mit Gedichten von Goethe bei sich, von denen sie mehrere noch in der Haft übersetzt. Gefängnispfarrer Harald Poelchau rettet diese Übersetzungen, an denen Mildred Harnack noch in den letzten Stunden ihres Lebens arbeitet. Mildred Harnack-Fish wird von der Berliner Publizistin Margret Boveri einfühlsam charakterisiert: "Sie war für mich mit ihren schönen blonden, straff zurückgekämmten Haaren, ihren klaren, nichts zurückhaltenden Augen der Inbegriff der puritanisch strengen Amerikanerin, die unter der Devise "high thinking and plain living" lebte. Sie gehörte zu der Generation studierter Frauen, die an den Fortschritt und an die Besserung der Welt glaubten und selbst in geistiger Arbeit an diesem Aufstieg mitarbeiten wollten. Sie war nicht ohne Ehrgeiz, aber er galt nicht der eigenen Person. Zur Zeit, als sie studierte, wurde in Amerika ganz allgemein die Linke als die Trägerin des aufgeklärten Fortschritts angesehen; die Intellektuellen waren "rosa" , wenn nicht "rot" , was nicht mit kommunistisch gleichzusetzen war ... " |
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Harro und Libertas Schulze-Boysen
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| Libertas Haas-Heye lernt im April 1934 Harro Schulze-Boysen kennen, der gerade im Reichsluftfahrtministerium eine Anstellung als Hilfsreferent gefunden hat. Im Juli 1935 ziehen sie zusammen, im August 1935 reisen sie gemeinsam in die Schweiz, wo sie auch deutsche Emigranten treffen. Nachdem Libertas Haas-Heye drei Monate in Großbritannien verbracht hat, verlobt sie sich Ostern 1936 mit Harro Schulze-Boysen. Am 26. Juli 1936 heiraten sie in Liebenberg bei Berlin, wo Libertas einen Teil ihrer Jugend verbracht hat. Harro Schulze-Boysen zählt bereits vor 1933 zu den entschiedenen Gegnern des Nationalsozialismus. |
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Harro und Libertas Schulze-Boysen, 1936
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| Gleichzeitig teilt er die Kritik seiner politischen Freunde an der Weimarer Republik, aber auch an der KPD. Seit 1938 erwartet Harro Schulze-Boysen den Krieg und damit die Niederlage des "Dritten Reiches" . Durch die Vermittlung des Ehepaars Kuckhoff kommt die Verbindung mit Arvid Harnack und dessen Kreis zustande. Im Frühjahr 1941 warnen Schulze-Boysen und Harnack die Sowjetunion vor dem unmittelbar bevorstehenden deutschen Überfall. Als ab Sommer 1941 der Kontakt zur Sowjetunion nicht aufrechterhalten werden kann, regt Schulze-Boysen vielfältige Aktionen des Widerstands an: Der Kreis der Regimegegner wird ausgeweitet; Flugschriften und Wandzettel informieren die Öffentlichkeit. Schulze-Boysen und Harnack wollen die Eigenständigkeit Deutschlands nicht preisgeben und hoffen deshalb, durch ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus wichtige Voraussetzungen für den Fortbestand des Deutschen Reiches zu sichern. |
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Harro Schulze-Boysen
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| Der am 2. September 1909 in Kiel geborene Harro Schulze-Boysen wächst in einer national gesinnten bürgerlichen Offiziersfamilie auf. Sein Großonkel väterlicherseits ist Großadmiral Alfred von Tirpitz, mütterlicherseits ist es der Philosoph und Soziologe Ferdinand Tönnies. Frühzeitig politisiert, will Harro Schulze-Boysen Klassengrenzen überwinden und die bürgerliche Gesellschaft grundlegend reformieren. Er studiert nach dem Abitur Rechtswissenschaft, ohne jedoch sein Studium abzuschließen. Ende 1931 wird er Redakteur, Mitte 1932 Herausgeber der Schrift "gegner" , die im April 1933 verboten wird. In dieser Zeit lernt er auch Künstler und Publizisten kennen, die sich später in seiner Widerstandsgruppe wiederfinden. |
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Harro Schulze-Boysen
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| Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme setzt sich Harro Schulze-Boysen mit der neuen Regierung auseinander. Sofort nach dem Erscheinen dieses Artikels durchsuchen SA-Leute die Redaktionsräume seiner Zeitschrift. Harro Schulze-Boysen wird verschleppt und misshandelt. Nur der Fürsprache seiner Mutter verdankt Harro Schulze-Boysen die Entlassung aus der Haft. Man verlangt, dass er Berlin verlässt. Deshalb besucht er einen Ausbildungskurs an der Verkehrsfliegerschule in Warnemünde. Wegen seiner außerordentlichen Sprachbegabung erhält er 1934 eine Stelle in der Nachrichtenabteilung des neuen Reichsluftfahrtministeriums. Unter dem Eindruck des Spanischen Bürgerkrieges ist er 1938 erstmals bereit, dienstliche Kenntnisse an die Sowjetunion weiterzugeben. Harro Schulze-Boysen verleugnet niemals seine ursprünglichen Gedanken und Ziele und sammelt nach seiner Hochzeit im Jahr 1936 zielstrebig einen Kreis um sich, in dem philosophische Probleme und politische Grundfragen erörtert werden. Die Gestapo wirft Harro Schulze-Boysen später vor, diese Zusammenkünfte "geschickt zur politischen Beeinflussung der Teilnehmer ausgenutzt" zu haben. 1940 lernt Harro Schulze-Boysen durch die Vermittlung des Ehepaars Kuckhoff Arvid Harnack kennen, der bereits seit 1936 zu einer Gruppe um den Kommunisten John Sieg enge Kontakte hält. 1941/42 ist Harro Schulze-Boysen maßgeblich an vielen Widerstandsaktionen beteiligt. Er verfasst programmatische Denkschriften, Flugblätter gegen den Krieg und die für Deutschland drohenden Folgen, und sichert auch die Zettelklebeaktion in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1942 mit der Waffe. Gemeinsam mit seiner Frau Libertas wird Harro Schulze-Boysen am 19. Dezember 1942 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet. |
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Libertas Schulze-Boysen
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| Die am 20. November 1913 in Paris geborene Libertas Haas-Heye wächst in einer wohlhabenden und gebildeten Familie auf. Ihr Vater ist Leiter der Modeabteilung der Berliner Kunstgewerbeschule in der Prinz-Albrecht-Straße 8; das Gebäude wird später Sitz des Geheimen Staatspolizeiamtes. Libertas Haas-Heye ist Presseassistentin eines amerikanischen Filmkonzerns, als sie Harro Schulze-Boysen im Frühjahr 1934 kennen lernt. Sie heiraten 1936. Im November 1941 wird Libertas Schulze-Boysen Dramaturgin in der Kulturfilmzentrale des Reichspropagandaministeriums. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie am Kampf gegen das NS-Regime beteiligt. |
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Libertas Schulze-Boysen |
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| Die lebensfrohe Libertas Schulze-Boysen nimmt an den Diskussionen im Kreis ihrer Freunde teil. Ihre Stellung als Dramaturgin nutzt sie geschickt aus, um neue Verbindungen zu knüpfen und Informationen zu sammeln. Sie erfährt schließlich von den Verbrechen der Nationalsozialisten im Osten und beginnt, diese zu dokumentieren.
Am 31. August 1942 wird Harro, am 8. September 1942 Libertas Schulze-Boysen von der Gestapo festgenommen. Die Gestapo nutzt die innere Erschütterung aus, die die Festnahme für Libertas Schulze-Boysen bedeutet. Deshalb kann eine Sekretärin der Gestapo ihr Vertrauen gewinnen. Als Libertas Schulze-Boysen durch diesen Spitzel einige Freunde warnen will, die sich noch in Freiheit befinden, nimmt die Gestapo diese fest. In ihrem Abschiedsbrief an ihre Mutter schreibt sie am 22. Dezember 1942: "Ich hatte noch den bitteren Kelch zu trinken, dass ein Mensch, dem ich mein volles Vertrauen geschenkt hatte, Gertrud Breiter, mich (u. Dich) verraten hat. Aber: 'Nun iss die Früchte Deiner Taten, denn wer verrät, wird selbst verraten.' Auch ich habe aus Egoismus Freunde verraten, ich wollte frei werden u. zu Dir kommen ... Aber glaube mir, ich hatte an dieser Schuld unsagbar schwer getragen. Jetzt haben mir alle verziehen, und mit einer Gemeinsamkeit, die im Angesicht des Todes möglich ist, gehen wir dem Ende entgegen. Ohne Leid, ohne Bitterkeit. Ich weiss jetzt auch um die letzten Dinge des Glaubens u. ich weiss, dass Du in dem Bewusstsein unserer ewigen Verbundenheit stark bist und 'froh' ..." Am 19. Dezember 1942 werden Harro und Libertas Schulze-Boysen vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und drei Tage später in Berlin-Plötzensee ermordet. |
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| In den Verhören bekennt Harro Schulze-Boysen sich zu seinen Taten, ohne Hinweise auf Mitverschwörer und Kontaktleute zu geben. Schließlich versucht er, die Vollstreckung des von ihm erwarteten Todesurteils für seine Freunde und sich hinauszuschieben, indem er vorgibt, belastende Dokumente über die deutsche Regierung nach Schweden geschafft zu haben. Schulze-Boysen hofft dabei auf den Zusammenbruch der deutschen Fronten und auf das Ende des NS-Regimes bis Ende 1943. Die Gestapo-Beamten halten Harro Schulze-Boysen für den eigentlichen Kopf der Widerstandsgruppe und ermitteln vor allem wegen angeblicher Spionage. Damit wird zugleich die Anklage wegen "Landesverrats" vorbereitet, die die Tätigkeit der Organisation um Harnack und Schulze-Boysen auf die Weitergabe von militärischen Nachrichten an die Sowjetunion reduzieren soll. |
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Abschiedsbrief von Harro Schulze-Boysen
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| Die Anklage vertritt der Oberstkriegsgerichtsrat Manfred Roeder. Er ist dem Regime treu ergeben. Die Angeklagten fürchten ihn, denn sein Zynismus und seine Menschenverachtung bedeuten für sie Lebensgefahr. Den wenigen Überlebenden bleibt Roeders "Kälte und Brutalität" unvergesslich. Er verkörpert für sie den Willen des nationalsozialistischen Staates, Widerstand als "Landesverrat" ohne Rücksicht und Gnade zu bestrafen. Roeder klagt die Mitglieder der Widerstandsgruppen um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen nicht in einem einzigen großen Sammelprozess an, sondern lässt jeweils kleinere Gruppen vor Gericht stellen. Er will so den Eindruck einer großen Widerstandsorganisation vermeiden. Das Verfahren gegen die wichtigste Gruppe - darunter die Ehepaare Harnack und Schulze-Boysen - beginnt am 15. Dezember 1942 vor dem Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg. Die Angeklagten wissen, dass sie zum Tode verurteilt werden sollen. Um die Angehörigen der Roten Kapelle einen möglichst schmählichen Tod sterben zu lassen, wird im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee vor dem Prozess ein Galgen mit acht Haken errichtet. Am 22. Dezember 1942 werden hier zwischen 19.00 und 20.33 Uhr fünf Männer durch den Strang, drei Frauen und drei Männer der Gruppe durch das Fallbeil ermordet. Am 13. Mai 1943 vollstrecken die Henker zwischen 19.00 und 19.36 Uhr weitere 13 Todesurteile. Am 8. August 1943 werden zwischen 19.00 und 20.00 Uhr weitere 19 Frauen und Männer der Gruppe in Plötzensee ermordet. |
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