Die innenpolitischen Zielvorstellungen des Widerstandes spiegeln zwar lange Zeit die vielfältigen Richtungen politischen Denkens, orientieren sich jedoch zunehmend an der Grundüberzeugung, dass Staat und Wirtschaft dem Wohl des Einzelnen zu dienen haben. Vor allem der Kreis um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg bemüht sich, die Gegensätze im Staats- und Gesellschaftsdenken von Konservativen, Liberalen, Sozialdemokraten, Protestanten und Katholiken zu überbrücken. Das Ergebnis dieser Diskussionen zeigt sich auch in den Regierungserklärungen, die Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck für den Fall einer Regierungsübernahme nach einem geglückten Attentat vorbereiten.
Enttäuschung über die missbrauchte Demokratie
Unübersehbar ist die Zurückhaltung der von nationalkonservativen und liberalen Traditionen geprägten Widerstandskämpfer gegenüber demokratischen Ordnungsvorstellungen. Sie zweifeln an der politischen und moralischen Entscheidungsfähigkeit einer Bevölkerung, die Hitler mehrheitlich zur Macht verholfen und ihn in den Folgejahren jubelnd unterstützt hat. Zudem sehen sie auch im nationalsozialistischen Regime, das sich durch Appelle an das Volk immer wieder Zustimmung und Unterstützung verschafft, entleerte demokratische Prinzipien verwirklicht.
Konservative Ordnungsvorstellungen
Die meisten der konservativ-monarchistischen Gegner Hitlers orientieren sich auch nach 1933 weiterhin überwiegend an den Grundsätzen einer Adels- und Standesgesellschaft: Der neue Staat soll nach berufsständischen Prinzipien aufgebaut sein. Wie die konservativen Regimegegner wollen auch die monarchistischen Kreise nach Hitlers Sturz zu den Selbstverwaltungsvorstellungen des 19. Jahrhunderts, zu Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit zurückkehren. Soweit ihre Wert- und Ordnungsvorstellungen dem heutigen demokratischen Staatsverständnis widersprechen, sind sie aus dem geistigen Traditionszusammenhang dieser Widerstandskämpfer und dem Denken ihrer Zeit zu erklären.
Innenpolitische Gemeinsamkeit
Von zentraler Bedeutung ist für alle Gegner des Nationalsozialismus die Wiederherstellung der Rechtssicherheit. Allen gemeinsam ist der Wunsch, der staatlichen Willkür ein Ende zu setzen. Deshalb sollen die nationalsozialistischen "Rechtsschänder" nach dem Ende des Gewaltregimes in rechtsstaatlichen Verfahren zur Verantwortung gezogen werden. Nur der Rechtsstaat erlaube eine menschenwürdige Existenz in geistiger und politischer Freiheit.
|