Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Widerstehen aus christlichem Glauben bis 1939
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Widerstehen in Glaubensgemeinschaften

 

Die religiösen Gemeinschaften

Auch Angehörige kleiner Glaubensgemeinschaften widersetzen sich dem geistigen und weltanschaulichen Führungsanspruch der Nationalsozialisten. Dabei berufen sie sich auf ihre religiösen Grundüberzeugungen, verweigern den Eid auf Hitler, lehnen den Beitritt zur NSDAP oder ihren Nebenorganisationen ab, leisten keinen Wehrdienst oder treten für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung ein. Als besondere Herausforderung empfinden sie das Schicksal verfolgter und entrechteter Mitmenschen. Die Mitglieder der religiösen Gemeinschaften stehen den Machthabern in der Regel ohne den Rückhalt gegenüber, den die katholische und die evangelische Kirche ihren verfolgten Anhängern zuweilen noch bieten kann. Darum sind sie vielfach auch nicht davor gefeit, dem Nationalsozialismus politisch entgegenzukommen und sich nationalsozialistischen Zwecken dienstbar zu machen.

Gewissensbindung

Viele religiöse Gemeinschaften sind durch eine lange Tradition der Nonkonformität geprägt. Dem Staat und seinen Organen stehen sie darum oftmals distanziert gegenüber, sosehr sie auch bemüht sind, den Forderungen der "Obrigkeit" an ihre "Untertanen" zu genügen. Eine klare Grenze staatlicher Ansprüche bildet die Einschränkung der Gewissens- und Glaubensfreiheit. Selten erwächst aus innerer Distanzierung vom nationalsozialistischen Staat und seiner Politik jedoch offene Auflehnung. Das Widerstehen aus religiöser Überzeugung drückt sich deshalb häufig im Willen zur geistigen Selbstbehauptung aus. Viele Glaubensgemeinschaften folgen nur dem Befehl ihres eigenen Gewissens und ihres Glaubens. Sie bekennen sich zu dem Grundsatz der Gewaltlosigkeit und verweigern auch den Symbolen und Organisationen des nationalsozialistischen Staates ihre Anerkennung, weil sie sich nur ihrem Verständnis von Gottes Wort, ihrer inneren Stimme und dem Gebot der Menschlichkeit verpflichtet wissen.

Die Zeugen Jehovas

Die "Ernsten Bibelforscher" geraten mit dem Nationalsozialismus in schweren Konflikt, weil sie den Anbruch des ewigen Gottesreiches erwarten und in der Gegenwart nur die Endzeit der alten Welt erblicken. Sie leben in der Erwartung einer neuen Gottesherrschaft, die auch die Erde zum Paradies macht. Darum sind sie nicht willens, sich für politische Ziele einzusetzen. Sie beteiligen sich nicht an Wahlen, vermeiden bewusst den Hitlergruß und verweigern jeden Wehr- und Kriegsdienst. Sie lehnen aber auch - selbst in der Haft - jede Zusammenarbeit mit politischen Gegnern des nationalsozialistischen Staates ab. Den weltanschaulichen Führungsanspruch des Nationalsozialismus verneinen die Zeugen Jehovas unbeirrbar. Sie protestieren gegen ihre Verfolgung und stellen sich offen gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Hunderte von ihnen werden in den dreißiger Jahren vor Gericht gestellt, schließlich Tausende in die Konzentrationslager eingewiesen. Sie ertragen alle Demütigungen ohne Widerspruch, können sich aber gegen ihre Peiniger geistig behaupten. Fast alle bleiben bis in den Tod ihrer religiösen Überzeugung treu. Nach dem deutschen Überfall auf Polen werden viele Zeugen Jehovas wegen ihrer Wehrdienstverweigerung zum Tode verurteilt. Insgesamt fallen der nationalsozialistischen Herrschaft über zweitausend Zeugen Jehovas zum Opfer.

Die Quäker

Die "Religiöse Gesellschaft der Freunde" bekennt sich zu Toleranz, Gewaltlosigkeit, Frieden und Hilfsbereitschaft. Lehnen die Quäker auch stets offenen Widerstand ab, so bemühen sie sich doch, durch stilles Wirken die aus politischen und rassischen Gründen verfolgten Mitmenschen im Einzelfall zu unterstützen. Das Berliner Quäkerbüro setzt sich besonders für konfessionslose Juden ein und kann bis 1939 über tausend Menschen bei der Flucht oder Emigration behilflich sein. Die deutschen Quäker halten die Verbindung zu ihren ausländischen Freunden und weisen kompromisslos den nationalsozialistischen Führungsanspruch zurück. Sie bekennen sich zu einer "Religion ohne Dogma" und geraten so unvermeidlich in den Gegensatz zum nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Nach dem Boykott gegen jüdische Geschäfte im April 1933 wissen sie, dass die Zeit "privater Erbauung" vorüber ist, und wollen bewusst und wirksam für ihre Mitmenschen und für den Geist der Toleranz eintreten.


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