|
Evangelische Christen im NS-Staat
Die Nationalsozialisten erheben auch gegenüber den christlichen Kirchen ihren weltanschaulichen Führungsanspruch. Einige Gruppen innerhalb der protestantischen Kirche begrüßen zunächst Hitlers Regierungsübernahme, weil sie wie weite Kreise der deutschen Gesellschaft die Weimarer Republik niemals als legitimen Staat anerkannt haben und auch der Antisemitismus viel Zustimmung erhält.
Kampf in den Landeskirchen
Bereits zum Ende der Weimarer Zeit breitet sich eine innerkirchliche Strömung aus, die die NS-Ideologie mit dem Evangelium in Einklang zu bringen sucht. Die "Deutschen Christen" wollen ihre Machtposition in den Landeskirchen ausbauen und bieten sich der NSDAP als Instrument kirchlicher "Gleichschaltung" an. Einzelne Geistliche und Gemeindemitglieder widersetzen sich den Zielen der "Deutschen Christen" unter Berufung auf die Autorität der Heiligen Schrift und der reformatorischen Bekenntnisse.
Kampf um die Glaubensgrundlagen
Die Gegner der "Deutschen Christen" schließen sich 1933 zum "Pfarrernotbund" und 1934 zur "Bekennenden Kirche" zusammen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Führungsanspruch der Nationalsozialisten gegenüber der evangelischen Kirche und den "Arierparagraphen" in der Kirche abzuweisen. Grundlegende Bekenntniserklärungen richten sich gegen Übergriffe des "totalen Staates" auf die Kirche. Sie bekräftigen die Freiheit des Glaubens und lehnen die Übertragung des "Arierparagraphen" auf die Kirche ab.
Reaktionen des NS-Staates
Das nationalsozialistische Regime fühlt sich durch den Bekenntniswiderstand evangelischer Christen herausgefordert. Pfarrer werden bespitzelt, bedroht und aus den Gemeinden vertrieben. Unter dem Druck der Partei und der Öffentlichkeit versuchen viele, einen Kompromiss mit der NS-Ideologie zu schließen. Nur wenige Pfarrer halten an ihrem grundsätzlichen Widerspruch gegenüber dem NS-Staat unbeirrt fest. Immer wieder werden Geistliche aus ihren Gemeinden entfernt und inhaftiert. Einige verbringen lange Jahre im Konzentrationslager, Einzelne werden von den Nationalsozialisten sogar ermordet.
Widerstehen zur rechten Zeit
Aus der Schrift "Zur Judenfrage" von Dietrich Bonhoeffer, April 1933: "Der Staat, der die christliche Verkündigung gefährdet, verneint sich selbst. Das bedeutet eine dreifache Möglichkeit kirchlichen Handelns dem Staat gegenüber: erstens die an den Staat gerichtete Frage nach dem legitimen staatlichen Charakter seines Handelns. Zweitens der Dienst an den Opfern des Staatshandelns. Die dritte Möglichkeit besteht darin, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen."
|